Schulhunde

Der Schulhund

Die Schulhunde Lilly, Nanouk und Aimy

Haustiere, speziell Hunde, sind in der Lage, durch ihre Anwesenheit und die unvoreingenommene Zuwendung dem Menschen gegenüber das Wohlbefinden des Menschen zu steigern. Ein Hund kann allein durch seine Anwesenheit innerhalb einer Klasse die Atmosphäre im Schulalltag positiv beeinflussen.

Ein Schulhund ist ein speziell für dieses Umfeld ausgesuchter Hund, der von Geburt an entsprechend seines Alters und seiner späteren Aufgaben ausgebildet wird. Da er in Schulklassen eingesetzt werden soll, ist er ein ruhiger, gut erzogener Hund, der einen hohen Stresspegel ertragen kann, ohne Zeichen von Aggression zu zeigen.

Er begleitet den Lehrer, der gleichzeitig sein Halter und Trainer ist, regelmäßig im Unterricht. Als Team tragen beide dazu bei, den Lernprozess der Schüler positiv zu beeinflussen und deren Sozialkompetenz und körperliches Wohlbefinden im Gesamtsystem Schule zu fördern

Tiergestützte Pädagogik

Tiergestützte Pädagogik bedeutet Unterstützung der pädagogischen Arbeit durch ein Tier. Wer Kinder beobachtet, erkennt schnell, dass sie sehr frei und unbeschwert auf Tiere zugehen. Der Zugang ist häufig spontan und mit hoher Motivation belegt. Diese natürliche Affinität der Kinder zu Tieren wird in der pädagogischen Arbeit in der Schule genutzt.

Eine mögliche wissenschaftliche Erklärung dieses unbeschwerten Zugangs ist die Biophilietheorie. E.O. Wilson, ein US-amerikanischer Soziobiologe, hat 1984 dargelegt, dass sich die Menschen aufgrund einer angeborenen „Liebe zum Lebendigen (Biophilie) zu anderen Lebewesen hingezogen fühlen und diesen Kontakt zur Natur für eine gesunde Entwicklung auch brauchen, um sich selbst als Individuum zu definieren.

Weitere Modelle der Mensch-Tier-Beziehung und der daraus abgeleiteten Wirk-Modelle sind  das Konzept der Du-Evidenz, eine Ableitung aus der Bindungstheorie und das Konzept aus der Neuroethologie von den Spiegelneuronen.

Mögliche Wirkweisen von tiergestützter Pädagogik

In der Fachliteratur gibt es inzwischen eine Vielzahl an Berichten und Untersuchungen, die verschiedene positive Auswirkungen des Einsatzes eines Schulhundes auf die Klasse als Gesamtgefüge und auf die einzelnen Kinder dokumentieren.

Im folgenden werden mögliche Auswirkungen aufgeführt:

  • körperliche Aspekte: Verbesserung der Beweglichkeit, des motorischen Antriebs, der eigenen Körperwahrnehmung, der Balance
  • Sprache und Stimme: Regulation Stimmvolumen, Verbesserung Stimmklang und Artikulation, Verbesserung Körpersprache, Ausbau Wortschatz
  • Aufmerksamkeit und Gedächtnis: Verbesserung der Aufmerksamkeitsspanne, der Konzentration, der Wahrnehmung, Verminderung der Ablenkbarkeit, Realitätsorientierung
  • Bindung und Interaktion: Verbesserung der sozialen Interaktion, der Sozialisation, der Beziehung zu Gleichaltrigen, der verbalen Kommunikation
  • emotionaler Ausdruck: Kennenlernen, Wahrnehmen und Deuten von Gefühlen
  • Selbstwert und Selbstbild: Steigerung des Selbstwerts, Verbesserung des Selbstvertrauens, Verbesserung des Selbstbildes

Voraussetzungen des Hundes

Nicht jeder Hund eignet sich für den Einsatz in tiergestützter Pädagogik. Der Hund darf kein Störfaktor in der Schule sein und er darf die Aufmerksamkeit des Lehrers nicht gravierend vom eigentlichen Unterrichtsgeschehen ablenken.

Charakterliche Voraussetzungen des Hundes sollten sein:

  • keinerlei aggressive Ausstrahlung
  • am Menschen orientiert
  • keinen Herdenschutztrieb
  • gehorsam
  • ruhiges Wesen
  • absolut verträglich mit Kindern
  • keinerlei Beißansätze
  • nicht sehr geräuschempfindlich

Die Schulhunde Aimy, Lilly und Nanouk

Aimy, Lilly und Nanouk sind Cavalier-King-Charles-Spaniel. Sie sind kleine Hunde mit einer Widerristhöhe von ca. 35 cm.
Geboren wurde Aimy im April 2009, sie lebt seit August 2009 bei mir. Lilly, wurde im Dezember 2008 geboren und kam als „Secondhand-Hund zu mir. Nanouk wurde im Februar 2013 geboren und lebt seit Mai 2013 bei mir. Seither haben wir viele Kurs in Hundeschulen besucht, unter anderem Ziel-Objekt-Suche, Mantrailing, Agility…

Im Oktober 2010 hat Aimy mit mir ihre Prüfung zum Therapiebegleithundeteam am Freiburger Institut für  tiergestützte Therapie erfolgreich abgelegt. Im November 2011 haben Aimy und Lilly die  Therapiebegleithundeprüfung in München bei symbiosys absolviert Nanouk hat 2014 seine Prüfung zum Therapiebegleithund ebenfalls in München bestanden.
Vom Charakter her ist Aimy friedlich, verspielt, verschmust und kontaktfreudig. Lilly ist friedlich, kuschlig und zurückhaltend. Aufgrund ihrer beginnenden Taubheit arbeitet Lilly nur noch sporadisch mit. Nanouk ist friedlich, auch sehr verspielt aber zurückhaltender in der Kontaktaufnahme.
Ein Schulhund erhöht das Gesundheitsrisiko für Schüler nachweislich nicht. Trotzdem muss gewährleistet sein, dass der Hund rund um gesund ist.
Meine Hunde werden halbjährlich einem Gesundheitscheck unterzogen. Darüber hinaus erhalten sie alle Impfungen im vorgeschriebenen Intervall. Alle drei Monate wird eine Wurmkur durchgeführt. Diese Maßnahmen werden dokumentiert. Ebenso werden Parasiten (z. B. Zecken) unmittelbar entfernt und es findet eine Prophylaxe gegen solche Parasiten statt.

Bisheriger Einsatz der Hunde

Aimy arbeitet seit dem Schuljahr 2011 in der Schule, Lilly arbeitet seit 2012 mit und Nanouk seit 2013. Sie erfüllen verschiedene Aufgaben:

Als Klassenhund

  • Seelentröster
  • Motivationsspender
  • Identifikationsobjekt
  • Vorlesehund
  • Verstärker im Belohnungssystem
  • Spannungsabbauer
  • Empathieträger

Im Rahmen der Einzelförderung haben Aimy und Nanouk mich bei folgenden Problembereichen in der Arbeit unterstützt:

  • ADHS
  • Aggression
  • Kommunikation
  • Motorik
  • Konzentration
  • Aufmerksamkeit
  • Duchhaltevermögen

Voraussetzungen für den Einsatz der Hunde

Der Einsatz der Schulhunde erfolgt in Absprache mit der Schulleitung, welche die Erlaubnis für den Besuch der Hunde erteilte. Das Einverständnis des Kollegiums wurde eingeholt. Das Schulamt wurde über den Einsatz eines Schulhundes informiert.
Eltern, deren Kinder Kontakt zu Aimy, Lilly und Nanouk haben werden, werden im Vorfeld schriftlich informiert und um eine Einverständniserklärung gebeten.

Regeln in der hundegestützen Pädagogik

Regeln für den Hund und die Lehrkraft

  • Der Hund läuft während der Schulzeit nicht frei im Schulhaus oder auf dem Schulgelände herum, sondern ist immer angeleint
  • Kein Kind wird genötigt, Kontakt mit dem Hund aufzunehmen. Es obliegt immer dem freien Willen des Kindes, ob es Kontakt mit dem Hund aufnimmt
  • Ängstliche Kinder werden behutsam an die Begegnung mit dem Hund herangeführt
  • Der Hund bleibt nicht ohne Lehrkraft in der Klasse
  • Der Hund hat keinen Zutritt zur Küche


Regeln für die Kinder:

  • Behandle einen Hund immer so wie du selbst gerne behandelt werden möchtest
  • Gehe niemals zu einem fremden Hund, ohne den Besitzer vorher zu fragen
  • Schaue niemals einem Hund starr in die Augen
  • Komm dem Hundeschwanz nicht zu nahe, zieh nicht dran und tritt nicht drauf
  • Stör einen Hund nicht beim Fressen und nimm es ihm nicht weg
  • Versuche nicht Hunde zu trennen, die miteinander raufen
  • Lauf niemals vor einem Hund davon, auch dann nicht, wenn du Angst hast
  • Spiel nur mit einem Hund wenn ein Erwachsener in der Nähe ist.
  • Vermeide alles was ein Hund als Bedrohung auffassen könnte
  • Kein Hund ist wie der andere, begegne ihnen deshalb vorsichtig
  • Lasse nichts Essbares herumliegen, denn die Hunde dürfen nur mit Erlaubnis der Lehrerin bestimmte Dinge bekommen
  • Hygienebestimmungen sind unbedingt einzuhalten. Das bedeutet, dass die Kinder sich Hände waschen nach den Kontaktstunden (bei Bedarf steht ein Desinfektionsmittel zur Verfügung)

Zu meiner Person

Seit 2004 arbeite ich als Lehrerin. 2010 habe ich die Ausbildung zur Fachkraft für tiergestützte Therapie erfolgreich abgelegt. Daran habe ich eine Ausbildung zur Hundetrainerin angeschlossen, die ich 2013 erfolgreich beendet habe. Seit 2013 leite ich, parallel zu meiner Lehrertätigkeit, ein Ausbildungszentrum für angehende Schul-, Kindergarten- und Therapiebegleithunde. Die Hunde werden hier, zusammen mit ihren Besitzern, auf ihren späteren Einsatz in den jeweiligen Einrichtungen vorbereitet.
Bei Rückfragen, für Erklärungen und bei Interesse stehe ich gerne zur Verfügung!


Baden-Baden, August 2015
Tine Hetzl